Published On: 9. März 20263,7 min read

Was bei Heuschnupfen im Körper passiert

Frühling, Sonne, die ersten warmen Tage – eigentlich die schönste Zeit des Jahres. Doch bei vielen Menschen beginnt jetzt die Leidenszeit: Die Nase läuft, die Augen tränen, das Atmen fällt schwer. Was steckt dahinter? Heuschnupfen ist keine „harmlose Erkältung“, sondern eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Pollen.

Was ist eine Allergie überhaupt?

Eine Allergie ist eine übertriebene Abwehrreaktion des Körpers auf Stoffe aus der Umwelt, die für die meisten Menschen völlig ungefährlich sind – etwa Pollen, Tierhaare oder Nahrungsmittel.
Das Immunsystem verwechselt diese Stoffe mit gefährlichen Eindringlingen und fährt eine ganze Abwehrarmee auf: Antikörper, Botenstoffe, Entzündungszellen. Das Ergebnis sind Juckreiz, Niesen, Schwellungen – also typische Allergiesymptome.

Phase 1: Die Sensibilisierung – der Körper „merkt“ sich die Pollen

Beim allerersten Kontakt mit Pollen bemerkt man meist noch nichts. Im Hintergrund laufen aber bereits wichtige Prozesse ab:

  • Bestimmte Immunzellen in der Nasenschleimhaut (z. B. dendritische Zellen) nehmen Pollenbestandteile auf.

  • Sie präsentieren diese Pollenbruchstücke anderen Abwehrzellen (T‑Helferzellen) und regen sie dazu an, sich auf „Allergie‑Modus“ einzustellen.
  • Diese Zellen fördern dann die Bildung von speziellen Antikörpern, den sogenannten IgE‑Antikörpern, durch B‑Zellen.

Diese IgE‑Antikörper binden sich wie kleine Fahnen an die Oberfläche von Mastzellen – Zellen, die überall in den Schleimhäuten sitzen, also auch in Nase, Augen und Bronchien.
Ab jetzt gilt: Der Körper ist sensibilisiert – er hat die Pollen „kennengelernt“ und reagiert beim nächsten Kontakt deutlich schneller und heftiger.

Phase 2: Die Sofortreaktion – wenn die Mastzellen Alarm schlagen

Beim nächsten Pollenkontakt reicht oft ein kurzer Aufenthalt im Freien, und die Symptome sind innerhalb von Minuten da. Das passiert:

  • Pollen treffen auf die Schleimhäute in Nase und Augen.
  • Sie binden an die IgE‑Antikörper, die auf der Oberfläche der Mastzellen sitzen.
  • Werden mehrere IgE‑Antikörper gleichzeitig durch dasselbe Allergen „vernetzt“, ist das für die Mastzelle das Signal zur Degranulation – sie schüttet schlagartig Speicherstoffe aus.

Zu den freigesetzten Botenstoffen gehören vor allem:

  • Histamin – verantwortlich für Juckreiz, Niesen, laufende Nase und Rötung.
  • Leukotriene und Prostaglandine – verstärken die Entzündung, fördern Schwellung und Schleimbildung.

So entstehen die typischen Sofortsymptome des Heuschnupfens: Niesattacken, wässrige Nasensekretion, verstopfte Nase, juckende Augen und Gaumen.

Phase 3: Spätphase – wenn die Entzündung länger bleibt

Mehrere Stunden nach der Sofortreaktion folgt oft eine zweite Welle, die sogenannte Spätphase:

  • Weitere Entzündungszellen wandern in die Schleimhäute ein, z. B. Eosinophile, T‑Zellen, Monozyten.
  • Diese Zellen setzen weitere Botenstoffe frei, die die Entzündung stabilisieren und verstärken.

Für Betroffene bedeutet das:

  • Die Schleimhaut bleibt geschwollen und empfindlich.
  • Die Nase reagiert schon auf kleine Reize (kalte Luft, Gerüche) mit Beschwerden.
  • Aus saisonalen Beschwerden kann mit der Zeit eine dauerhafte Schleimhautempfindlichkeit werden.

Genau hier setzt eine konsequente Therapie an: Sie soll nicht nur Symptome dämpfen, sondern auch diese chronische Entzündung bremsen.

Von der Nase in die Bronchien: der „Etagenwechsel“

Allergische Rhinitis (Heuschnupfen) und allergisches Asthma hängen eng zusammen. Viele Menschen mit Heuschnupfen entwickeln im Laufe der Zeit zusätzlich Beschwerden in den Bronchien:

  • Hustenreiz
  • pfeifende Atmung
  • Luftnot bei Belastung

Man spricht dann vom „Etagenwechsel“ – die Entzündung steigt von den oberen Atemwegen (Nase) in die unteren Atemwege (Lunge) hinab.
Heuschnupfen ernst zu nehmen und früh zu behandeln, kann helfen, das Risiko für einen solchen Etagenwechsel zu senken.

Warum bekommen manche Menschen Allergien – und andere nicht?

Ob jemand Allergien entwickelt, ist ein Zusammenspiel aus:

„Für Betroffene ist wichtig: Allergien sind keine „Einbildung“. Hinter den Symptomen steckt ein klar nachvollziehbarer Ablauf im Immunsystem – und genau dort kann moderne Therapie ansetzen. Lesen Sie den Artikel  über Behandlungsmöglichkeiten und fragen Sie gerne unser Fachpersonal in der Apotheke“

Sheila Richter

Apothekerin